Springe zum Inhalt

Das geschah in Nastätten vor 100 Jahren – Rhein-und Lahn-Anzeiger KW33-1921

Diese Woche einmal keine Schlagzeilen, dafür wie ich finde ein schöner Bericht zur Abendruhe in Nastätten:

Nastätten, 19, August 1921.

Abendruhe. Die Abnahme der Tagestunden hat ein schnelleres Tempo eingeschlagen, um 8 Uhr macht sich heute schon die Abendstille geltend. Noch ist es schön, und ein Abendspaziergang, ein Stündchen auf Balkon, Veranda oder am offenen Fenster ist ein Genuss. Noch sind die Abendstunden frei von lebhafterer Tätigkeit, die Freude vom sommerlichen Abendfrieden überwiegt. Der nahende Herbst bringt die abendlichen Beschäftigungsstunden, denn aus dem Sommer hat man mancherlei an Renovierungen mit in die Folgezeit hinübergenommen. Konzerte und abendlicher Tanz sind noch nicht verschwunden, die junge Welt will noch etwas von der schönen Jahreszeit haben. Eine gewisse Einschränkung hat allerdings schon Platz gegriffen. Die Zeiten sind teuer, und das Geld ist knapper geworden. Zwischen den Nachbarn gibt es in der Abendruhe manches Gespräch, wie es mit den Kartoffeln in den Herbstmonaten werden wird, und mit dem Fleisch, mit dem Fett, mit dem Brot. und endlich mit den Steuern. Auch die Kohlen spielen eine Rolle. Das Sprechen darüber ist erklärlich. Aber belasten wir die letzten schönen Sommerabende nicht mit zu viel Sorgen. Wir haben uns durch sieben schwere Winter durchgeschlagen, wir werden auch den achten überwinden.

Die komplette Ausgabe des Rhein-und Lahn-Anzeiger finden sie hier.

Teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.