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Nachruf Hans-Peter Kürten

Kleine Stadt — ganz groß …

… wie es war, ist und werden könnte, so lautet die Überschrift des Artikels von Hans-Peter Kürten, der Nastätter Oktobermarktzeitung von 1963.

Am 6. März 2022 verstarb, der von 1957 bis 1965 hauptamtliche Stadtbürgermeister der Stadt Nastätten, Hans-Peter Kürten im Alter von 92 Jahren in der Curanum-Seniorenresidenz in Remagen im Kreis seiner Familie.

Hans-Peter Kürten wurde am 15. Mai 1929 in Langenfeld im Rheinland geboren. Nach Abitur und Ausbildung zum Stadtinspektor zog es ihn in die Stadt Nastätten, in der er 1957 mit gerade einmal 27 Jahren zum Bürgermeister gewählt wurde. 1965 wollten ihn die Nastätter für weitere zwölf Jahre halten, doch ihn zog es weg. Remagen suchte zu dieser Zeit gerade einen Bürgermeister. Am 12. Juni 1965 wurde Hans-Peter Kürten dort als erster hauptamtlicher Stadtbürgermeister ins Amt eingeführt. Dieses Amt übte Kürten bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1994 aus. Mit Ehefrau Carola lebte er nach seiner Pensionierung weiter in Remagen.

Acht Jahre lang lenkte Hans Peter Kürten die Geschicke der Stadt Nastätten. Wie sah es zu dieser Zeit in Nastätten aus?

In erster Linie waren der Handel und das Handwerk die tragenden Säulen in Nastätten. Die Landmaschinenhändler und Werkstätten zogen vor allem die landwirtschaftlich orientierte Bevölkerung der weiten Umgebung nach Nastätten. Wenn die Leute erst einmal in Nastätten waren, kaufen sie natürlich auch vieles andere. Und wenn alle Einkäufe getätigt waren, wird eine Pause eingelegt, in der etwas für das leibliche Wohl getan wird. Es gab in dieser Zeit 18 voll-konzessionierte Gaststätten und Cafés.

Aber es waren auch noch andere Fakten, die den zentralen Charakter Nastättens bestimmten. Zum einen die Behörden: das Amtsgericht, das staatliche Forstamt, das große Postamt, von dem über 50 Ortschaften versorgt wurden und das Fernsprechamt. Zum weiteren waren es die Ärzte und Zahnärzte, sowie Apotheke und Drogerie, die die Leute anziehen. Auch zwei Banken, die Nassauische Sparkasse und die Volksbank waren vertreten. Das Altersheim und mehr noch das Krankenhaus bildeten weitere Anziehungspunkte. Die kulturellen Einrichtungen, die den Charakter eines Mittelpunktes verstärken, waren die Landwirtschaftsschule mit ihrem Beratungsdienst, die landwirtschaftliche Berufsschule für den Kreis und die Realschule. Aber auch das Waldschwimmbad. Ferner die Kinos und das recht aktive Volksbildungswerk mit ganzjährigen Veranstaltungen. Nastätten ist in dieser Zeit bereits seit vielen Jahren Fremdenverkehrsgemeinde. Wenn auch keine Rekordzahlen vorgewiesen werden konnten, so ist doch eine ständige Aufwärtsentwicklung verzeichnet. In der Amtszeit von Hans Peter Kürten wurde auch der neuen Reiseart entsprochen und ein Campingplatz angelegt.

In einer Prognose schreibt Hans-Peter Kürten 1963:

Nicht alle Zukunftsvermutungen und Erwartungen werden sich erfüllen, aber dennoch dürfte ein Blick voraus recht interessant sein und deshalb gewagt werden. Der einheimische Handel sieht sich wie an anderen Plätzen auch einer starken Konkurrenz des Versandhandels gegenüber. Was er nicht zu fürchten braucht, sind große Kaufhäuser und Konzernfilialen. Da aber die Motorisierung auch das flache. Land erfasst hat, schrumpfen die Entfernungen in die Großstädte Koblenz und Wiesbaden und werden somit doch zu einer gewissen Konkurrenz. Ihr zu begegnen, versuchen die Nastätter Gewerbetreibenden damit, dass sie ihre Läden modernisieren und vergrößern. In der gleichen Richtung marschiert die Gastronomie. Neben ansprechenden Renovierungen in der letzten Zeit treten größere An- und Umbauten und zwei Neubauten. Die Post hat zur Aufrechterhaltung des Postbusverkehrs eine großzügige moderne Wagen- und Pflegehalle errichtet. Das Fernsprechamt bei den heute noch freundlichen Damen per Hand vermitteln, sucht Gelände für den Bau eines Selbstwählamtes. Der Neubau des modernen Krankenhauses mit sechs Geschossen für 140 Betten. Auf kulturellem Gebiet ist der Neubau einer 12-klassigen Volksschule nebst Turnhalle und Sportplatz geplant. Auch sind die Vorbereitungen für den Bau eines evangelischen Kindergartens angelaufen. Die stärkste Veränderung in der Struktur Nastättens wird aber zweifellos die vorgesehene Errichtung von Bundeswehrkasernen für ein Bataillon und über 100 Wohnungseinheiten für die dazugehörigen Führungskräfte nebst ihren Familien mit sich bringen. Alles in allem darf man also hoffen und erwarten, dass Nastätten nicht nur weiterhin der Mittelpunkt des „Blauen Ländchens“, bleiben wird, sondern sogar seine Anziehungskraft verstärken kann.

Welche Ereignisse fallen noch in die Amtszeit von Hans Peter Kürten

Waldschwimmbad

1958 beschloss der Stadtrat von Nastätten, das 1929 eingeweihte Waldschwimmbad neu zu gestalten, insbesondere ein Mehrzweckbecken aus Stahlbeton und einen Kiosk mit Dachterrasse anzulegen. Ohne die damaligen Anstrengungen gäbe es das Waldschwimmbad heute wohl nicht mehr. Das Schwimmbecken wurde neu in Form eines „L“ mit 50-m-Bahn und einer Sprunganlage im kürzeren Schenkel gestaltet. Die Einweihung des neuen Bades erfolgte 1960 in der Regie von Bürgermeister Kürten mit einem internationalen Fest mit Schwimmwettkämpfen, Wasserballett und Turmspringen.

s´Pittche

s´Pittche wurde am 14. August 1957 von Bürgermeister Hans-Peter Kürten mit Nastätter Abbelwei getauft und wurde schnell eine Art Wahrzeichen für unseren Flecken. Noch heute treffen sich ältere Mitbürger nicht am Adolfsplatz, sondern am Pittchen. 1970 wurde die Brunnenanlage entfernt. Seitdem ist der kleine Kerl mit seinem Wasser speienden Fisch spurlos verschwunden.

Hans Peter Kürten, ein großer Unterstützer der Freiwilligen Feuerwehr Nastätten

Hans Peter Kürten lud die männlichen Jahrgänge 1939 und 1940 der Nastätter Jugend zu einem Gespräch in das Rathaus ein und erläuterte den Anwesenden die prekäre Situation der Freiwilligen Feuerwehr (es mangelte nicht nur an aktiven Wehrleuten, auch die momentan vorhandenen Kameraden konnten zum Teil durch Kriegsverletzungen bedingt, gar nicht mehr eingesetzt werden). Daraufhin erklärten zunächst zehn Nastätter Buben ihren sofortigen Beitritt in die Freiwillige Feuerwehr Nastätten. Innerhalb kurzer Zeit erhöhte sich die Zahl auf 22.

Hans Peter Kürten initiierte ebenfalls die Gründung des noch heute aktiven Fördervereins Freunde und Gönner der Freiwilligen Feuerwehr Nastätten e.V. im Jahr 1961. Der Verein trägt bis heute zu einer hervorragenden persönlichen und materiellen Ausstattung der Feuerwehr Nastätten bei.

1957 und in den folgenden Jahren seiner Amtszeit hat Hans Peter Kürten mit seiner zugewandten Art und seiner Weitsicht maßgeblich zum Erhalt der Freiwilligen Feuerwehr beigetragen.

Der Chronik der Stadt Nastätten sind in dieser Zeit zu entnehmen:

1957 Der 27jährige Hans Peter Kürten wird hauptamtlicher Bürgermeister gewählt.

Die Nassauische Kleinbahn hat ihren Personen- und Güterverkehr ganz von der Schiene auf die Straße umgestellt und beginnt mit dem Abbau der Gleisanlagen.

1958 Der Neubau der landwirtschaftlichen Kreisberufsschule wird eingeweiht. (Heute beherbergt der Bau die Taunusschule).

1960 Das Waldschwimmbad im Schwall wird umfassend modernisiert, es erhält in den nächsten Jahren eine Umwälzanlage und eine Ölheizung.

1964 An der Volksschule wird eine erste Sonderschulklasse eingerichtet. Aus ihr entwickelt sich die Taunusschule eine Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen für die Verbandsgemeinden Nastätten und Loreley.

1965 Das Krankenhaus Paulinenstift zieht in einen Neubau mit 135 Betten und zwei Facharztabteilungen (Chirurgie, Innere Medizin) sowie einer Belegabteilung (Geburtshilfe) um.

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