Springe zum Inhalt

Quelle:
Rhein-Lahn-Zeitung 1993
Stadtarchiv Nastätten 2020

Schwimmen hat in Nastätten Tradition – bereits 1879 wusste der „Rhein- und Lahnanzeiger" davon zu berichten.
Am 27. Juni 1879 wusste der „Rhein- und Lahnanzeiger" zu berichten: „Seit einigen Tagen hat Herr Ph. Kern sein Badehäuschen wieder aufgeschlagen." Demzufolge gab es mindestens seit 1878 Bemühungen um Bademöglichkeiten in der Nastätten. Das Badehäuschen stand in der „Brühl" am Mühlbach, und die Zeitung empfiehlt seine Nutzung warm: „Die gleichmäßige Verteilung des Blutes im Körper wird gleich beim Beginn des Bades durch seine völlige Untertauchung bewirkt."
Ein Vierteljahrhundert später teilt die gleiche Zeitung ihren Lesern am 29. April 1904 mit, dass Georg Korn eine „größere Badeanstalt" baute, für Damen und Herren abgeteilt und „ganz in der Nähe des Bahnhofs". Die Eintrittskarten gab es daher auch im Bahnhofs-Restaurant, für 20 Pfennig. Neben diesem geregelten Badebetrieb scheint es weitere Badevergnügungen für die Kinder gegeben zu haben. Nastättens Chronist Wilhelm Werner erinnert sich, dass die Jugend früher gern in der „Schließ" badete, einem Mühlbachstau zwischen Bahnhof und Seidenfabrik, wo der Mühlgraben der Thurnsmühle begann. Man pflegte allerdings Reißaus zu nehmen, wenn sich der um die Sittlichkeit besorgte Herr Pfarrer näherte.
Ein Leserbrief vom 1. August 1906 forderte die Stadtväter auf, sich um die Schaffung eines öffentlichen Bades zu bemühen: „Das Geld, was für eine Badeanstalt ausgegeben wird, ist nicht weggeworfen." 1908 errichtete der Sportverein durch Stauen des Heubachs eine „Schwimm- und Badeanstalt" in der Brückwiese. Die Stadt verweigerte Zuschüsse, angeblich wegen der Beschwerden einiger Landwirte, die gegen diese Zweckentfremdung ihrer traditionellen „Grützewäsch" (zur Reinigung von Futterrüben) protestierten. Karten und Schlüssel gab es in heimischen Geschäften zum Preis von zehn Pfennig für Erwachsene und fünf für Kinder.
Auch diese Einrichtung scheint die Stürme der Zeit nicht lange überlebt zu haben; denn am 22. März 1928 fordert ein Leserbrief „Badeanstalt oder Freibad" statt eines offensichtlich vielfach gewünschten Tennisplatzes. Tatsächlich zeigten Magistrat und Stadtverordnete sich diesmal einsichtig: Am 28. Juli 1929 wurde das „neue Strandbad" im Schwall feierlich eingeweiht mit einem langen Festzug, Wettkämpfen, Schauspringen, Rettungsschwimmvorführungen und einem Wasserballspiel. Bürgermeister Brüning konnte rund 1.600 Gäste willkommen heißen.
Dieses idyllisch gelegene „Waldbad Schwall" besaß ein 50-m-Becken mit Sprungturm und zwei flacheren Becken für Nichtschwimmer und Kinder. An seinen schrägen, mit Steinplatten belegten Wänden sonnten sich Molche und tummelten sich Kaulquappen. Auch der Besatz mit Fischen half da nicht viel. Gelegentlich monierten Badegäste dieses muntere Treiben, doch Bademeister Fritz Gans pflegte sie schnell zu beruhigen: „Da seh’n Se mal, wie gesund unser Wasser is. Sonst wär’n die Viecher doch längst verreckt!"
Man bemühte sich im Laufe der Jahrzehnte, zumindest einige Missstände zu beseitigen, doch da der Boden des Beckens nicht befestigt war, gelang es nie, sauberes Wasser zu bekommen. So war rund drei Jahrzehnte nach der Einweihung eine grundlegende Sanierung erforderlich.
1958 beschloss der Stadtrat von Nastätten, das 1929 eingeweihte Waldschwimmbad neu zu gestalten, insbesondere ein Mehrzweckbecken aus Stahlbeton und einen Kiosk mit Dachterrasse anzulegen. Die vom Deutschen Sportbund geprüften zeichnerischen Entwürfe des Architekten Dipl. Ing. Berthold Conradi haben sich im Stadtarchiv erhalten.
Der Finanzierungsplan von November 1960 für die Baukosten in Höhe von 221.650,- DM sah eine erhebliche Darlehensaufnahme der Stadt in Höhe von 120.000,- DM vor. Zum Vergleich: Anfang 1960 hatte Nastätten laut einem Bericht des Landratsamtes St. Goarshausen vom 4.3.1960 Gesamtschulden in Höhe von 178.360,- DM. Zudem mussten Rücklagen aufgelöst. Ohne die damaligen Anstrengungen gäbe es das Waldschwimmbad heute wohl nicht mehr. bei der das Schwimmbecken neu gestaltet wurde in Form eines L mit 50-m-Bahn und einer Sprunganlage im kürzeren Schenkel.
Die Einweihung des neuen Bades erfolgte 1960 in der Regie von Bürgermeister Kürten mit einem internationalen Fest mit Schwimmwettkämpfen, Wasserballett und Turmspringen. Es erwies sich jedoch schon bald, dass auch in den modernen Betonbecken mit Überlaufrinne das Badewasser rasch veralgte und trüb wurde.
1965 wurde Hans Kunert Stadtbürgermeister. Er machte den Bau einer Umwälzanlage mit Filtern und Brauchwasserrückführung zur Chefsache und setzte sie bereits im nächsten Jahr durch. 1970 wurde eine Ölheizung eingebaut, die die Badesaison deutlich verlängern half, allerdings bei der großen Wasserfläche auch die Betriebskosten erheblich steigerte.
1991 befassen sich Verwaltung, Rat und Ausschüsse intensiv mit der Zukunft des Freibades. Angesichts der hohen Renovierungskosten erwog man eine bezuschussungsfähige Neugestaltung. Ein namhafter Schwimmbadplaner schockte alle Schwimmsportfreunde mit dem Entwurf für eine Spaß- und Spielanlage mit geringer Wassertiefe und ohne Sprunganlage. Glücklicherweise hielt eine deutliche Mehrheit im Rat mit Bürgermeister Bruch die Gelegenheit zu sportlichem Schwimmen, Ausbilden und Rettungsschwimmen für wichtiger als „Freizeitvergnügen pur". Seitdem steht fest, dass man auf 25-m-Bahn und die Gelegenheit zu tieferem Tauchen nicht verzichten kann.
Für Nastätten allein war ein Umbau eine Nummer zu groß geworden. Nach der endgültigen Schließung des Bogeler Freibades sind die Bevölkerung und die Sommergäste im Blauen Ländchen ganz aufs Waldschwimmbad Nastätten angewiesen. Die Verbandsgemeinde Nastätten übernahm die Trägerschaft des Freibades als einer „zentralen Sportanlage der Verbandsgemeinde". Es erfolgte ein Umbau von 1996 bis 1998, der rund 4.5 Millionen Mark kostete.

Zur Internetseite des Waldschwimmbades der Verbandsgemeinde Nastätten

Postkarte aus den 1960er Jahren. Gut zu erkennen der neue Sprungturm und das auf der anderen Mühlbachseite gelegene Kinderplanschbecken sowie Kiosk mit Dachterrasse
Teilen