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Errichtung der Nastätter Synagoge

Zu Anfang des Jahres 1902, beherrschte vorwiegend ein Gesprächsthema die Einwohner der Stadt Nastätten und ihrer Umgebung: Die jüdische Kultusgemeinde wollte ein eigenes Gotteshaus, eine Synagoge, errichten.

Vorher hatten die Andachtsstunden im Privathaus des Rabbiners stattgefunden. Wie aus den heute noch im Archiv aufbewahrten Bauakten hervorgeht, bestand damals ein bestes gegenseitiges Einvernehmen zwischen der Bevölkerung der Stadt und ihren jüdischen Mitbürgern, so dass das Projekt von vorneherein eine breite Resonanz fand.

Am 17. Januar 1902 richtete der Kultusvorsteher Julius Leopold ein Bauerlaubnisgesuch an das Königliche Landratsamt in St. Goarshausen. Die Pläne des Architekten Schuck fanden jedoch nicht die ungeteilte Zustimmung des Rabbiners Gustav Oppenheimer, der zu bedenken gab, dass nicht alle Vorschriften des sogenannten „rituellen Bades“, das in der Synagoge einzurichten war, beachtet worden waren. Auch hinsichtlich des Bauplatzes bestanden zunächst erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Die israelitische Gemeinde Nastätten hatte von ihrem Mitglied Salomon Stern ein Gelände in der Hoster erworben, dessen versteckte Lage jedoch immer wieder moniert wurde. In einer von dem Königlichen Landrat vorgebrachten Stellungnahme wird ausgeführt, dass ein mehr im Vordergrund der Stadt gelegenes Grundstück wünschenswert sei, auf dem dann ein repräsentativer Monumentalbau errichtet werden sollte. Einen solchen Platz fand man schließlich an der Ecke Rheinstraße/ Brühlstraße, im Stadtgebiet gelegen. Die jüdische Gemeinde erwarb ihn käuflich von Herrn Kilp, während Salomon Stern das ursprünglich vorgesehene Areal an Adam Kunz und Valentin Singhof verkaufte. Nachdem auch der Bezirksrabbiner Dr. Weingarten in Bad Ems am 18. Juli 1902 seine Zustimmung gegeben hatte, erhielt die jüdische Gemeinde Nastätten am 28. August/ 8. September 1902 vom Landrat in St. Goarshausen einen bedingungsweisen Bauschein.

Aus den noch erhaltenen Bauzeichnungen geht hervor, dass die Synagoge in massiv Baustein mit einer Höhe von 7,30 Meter und 1,50 Meter Wandstärke errichtet wurde. Das Dach war eine Holzkonstruktion, mit Schiefer eingedeckt.

Die jüdische Gemeinde Nastätten zählte damals 28 männliche Personen. In der Synagoge waren 48 Sitzplätze eingerichtet (Sitzplätze für die Frauen auf der Empore). Die feierliche Einweihung fand am 5. und 6. August 1904 durch den Bezirksrabbiner statt. Es war, wie aus heute noch erhaltenen Fotos dieses bedeutsamen Ereignisses hervorgeht, ein Fest- und Feiertag für die gesamte Einwohnerschaft von Nastätten. Auch die christlichen Einwohner beteiligten sich an dem großen Festzug, der durch die Straßen der Stadt führte. Die Häuser waren alle festlich beflaggt, eine Blaskapelle spielte mitten auf der Straße vor dem Rathaus. Würdige, in Schwarz und mit Zylindern gekleidete Herren und Damen und Ehrenjungfrauen in langen, weißen Kleidern beherrschten das Bild der schier unübersehbaren Menschenmenge.

Welche Eintracht muss in dieser Zeit doch in Nastätten geherrscht haben, dass so ein Festzug mit Fahnen und Kapelle überhaupt möglich war. Diese nachdenklichen und erinnerungsreichen Worte schrieb vor einigen Jahren Richard Grünewald aus Haifa (Israel) an die Stadt Nastätten.

Die Thora-Rolle, das sind die fünf Bücher Moses, als die Gesetzesrolle, auf der das gesamte Judentum basiert, befindet sich heute im Regionalmuseum Leben und Arbeiten.

Die Synagoge von Nastätten, deren Bau 1902 eingeleitet wurde. Die Einweihung fand am 5. und 6. August 1904 statt.

Nach Fertigstellung der Bauarbeiten an der neuen Synagoge in Nastätten ließen sich diese Handwerker aus der Stadt vor dem Altar fotografieren.